headerphoto

Rosa

Rosa, ex Illatosut Nummer 121K, sass Monate lang in der Tötungsstation
Illatosut - wir sahen sie, wussten, sie hat kaum eine Chance. Eine ältere
Rottweiler-Dame, die am Ende kaum noch in der Lage war, ohne Hilfe
aufzustehen, in vielen Bundesländern ein Listenhund...es gab weiss Gott
genügend Gründe, die GEGEN ihre Rettung sprachen...

Gabriella war in ihren wohlverdienten Urlaub gegangen, doch wir konnten
trotzdem nicht entspannen, wir suchten nach einem Weg - wir organisierten
einen kleinen Transport, zusammen mit einigen Helfern, ohne Gabriella eine
Katastrophe...
Einer unserer Helfer aus Österreich machte sich auf den Weg, ebenso Sepp -
mal wieder unser lieber, guter Sepp.
Es war klar, dass die Rotti-Hündin irgendwie mit muß, aber es ist nicht
gerade einfach, ohne den Hauch einer Charakterbeschreibung eine Rotti-Dame
unterzubringen. Es kam ein Platzangebot für sie, so wurde sie kurzerhand
eingepackt - ihr Glück, denn man sagte Sepp, hätte er sie nun nicht
mitgenommen, wäre am nächsten Tag ihr Tötungstermin gewesen.

Jedenfalls, infolge von unklarer Kommunikation waren wir der Ansicht, dass
die Rotti-Dame einen Platz in Österreich gefunden hatte - bis der Anruf
kam, der alles änderte.

Auf dem Weg zur Verteilung der Hunde wurde ein Zwischenstopp auf einem
befreundeteten Tierschutz-Hof gemacht. Dort angekommen sollten alle Hunde
sich einmal erleichtern können - als Rosa an der Reihe war, war schnell
klar, dass sie keinen Meter Fahrt mehr durchstehen würde, sie war schwach,
müde, krank, und hatte offensichtlich starke Schmerzen - kurz entschlossen
wurde ihr ein Plätzchen geschaffen, Rosa sollte erstmal bleiben und sich
ausschlafen können, alles weitere sollte sich dann zeigen.
Ihre trüben, müden und hoffnungslosen Augen zeugten davon, dass sie es in
ihrem ganzen Leben niemals gut hatte.sie war misstrauisch und konnte kaum
laufen. Es wurde ihr eine rosa Decke zurecht gelegt - die im Übrigen auch
maßgeblich zu ihrer Namensgebung beitrug - und sie versuchte so gut es
ging, sich eine gemütliche Position zu verschaffen und schlief schnell
ein.

Am nächsten Tag war ihre gesamte Decke voll mit Krabbeltierchen -
Zecken-Nymphen, wie sich herausstelle, die sich in Rosa´s Ohren
festgenistet hatten, und nun, nach Gabe der Parasitenmittel - scharenweise
die Flucht antraten.

Am Anfang waren es nur kleine Schritte, dann ganz kurze Spaziergänge, die
Rosa zurücklegen konnte. Sie litt unter starken Schmerzen aufgrund von
Arthrose, und das monatelange Liegen auf dem harten und kalten Betonboden
im Illatosut und der Bewegungsmangel hatten sie schwer gezeichnet. Sie war
weiterhin misstrauisch und ließ alle spüren, dass sie von Vertrauen den
Menschen gegenüber weit entfernt war. Wollte man sie an ihren schmerzenden
Stellen berühren, ließ sie ein tiefes Grollen vernehmen, was deutlich
machte, dass sie eine weitere Befummelung nicht zulassen würde.

Was muß dieser Hund an Vernachlässigung und Einsamkeit erfahren haben.?

Es wurde sich rührend um Rosa gekümmert, ihre zentimeterlangen Krallen,
die ihr das Gehen zusätzlich erschwerten, wurden unter Einsatz von Leib
und Leben, Maulkorb und Leine geschnitten - denn auch das hätte sie nie
zugelassen, sie bekam Medikamente gegen die Schmerzen, und jeden Tag
fasste Rosa mehr Vertrauen. Nach und nach wich die Trübnis aus ihren
Augen, und man konnte wieder Lebensmut in ihnen erglimmen sehen.ihre
Arthrose besserte sich, die Tabletten wirkten - bis sie wieder in die
Klinik musste, da es ihr sehr schlecht ging.
Die Tabletten wurden daher abgesetzt - und wie es scheint, benötigt Rosa
keine Tabletten mehr.

Heute ist von all dem nichts mehr zu erahnen.

Am 07. Januar zog unsere Rosa in ihr neues Zuhause ein. Seit Monaten war
ihre Interessentin immer wieder zu Besuch bekommen, war mit Rosa spazieren
gegangen, hatte sich mit viel Mühe und Liebe Rosas Vertrauen erarbeitet.

Rosa und die Hofbesitzer, die sie aufgenommen und gepäppelt hat, verbindet
heute eine tiefe Freundschaft. Ihnen ist es zu verdanken, dass Rosas Augen
nun wieder leuchten können.

Als Rosas neues Frauchen also kam, um sie abzuholen, da wusste Rosa
instinktiv, dass es nun an der Zeit war, den Hof zu verlassen und in ihr
neues Leben zu gehen. Ohne zu Zögern ging sie mit - nein halt, nicht ganz
ohne zu Zögern: vor dem Auto, kurz vorm Eintsteigen, drehte Rosa sich um
und schaute zurück auf den Hof, der in den letzten Monaten ihr Spital und
Heim gewesen war, auf die Menschen, die sich liebevoll um sie bemüht
hatten und nun mit einem weinenden und einem lachenden Auge zum Abschied
zusahen, wie ihre Rosa tatsächlich und wahrhaftig stark, gesund,
selbstsicher und schön, wie es nur ein Rotti sein kann, sich auf dem Weg
in ihr neues Leben machte.

Liebe, Freundschaft, Dankbarkeit und ein tiefes Verständnis spiegelten
sich in Rosas nun wieder leuchtenden Augen wieder, als sie sich umwandte,
wie, als wolle sie zum Abschied winken, Danke sagen für alles, an die
Menschen, die an sie geglaubt hatten und die sich nicht abschrecken ließen
von der Tatsache, dass Rosa eine Rottweiler-Hündin ist, die all das für
sie getan hatten.dann stieg sie zu ihrem neuen Frauchen ins Auto, und der
Wagen mit Rosa, deren großen Kopf man noch von weitem sehen konnte,
verschwand hinter der nächsten Biegung ins neue Glück.

Liebe Rosa, ich denke, ich kann für alle, die an Deiner Rettung beteiligt
waren, sprechen, wenn ich sage, dass Du uns gezeigt hast, wie wichtig es
gerade für Hunde, wie du einer warst, ist, eine vorurteilsfreie Chance zu
bekommen, eine Chance auf Leben, und wie viel Liebe und Glück ein
dankbarer Blick einer einst so gequälten Seele aussprechen kann.
Du warst chancenlos, Deine Tötung war bereits beschlossen - aber für Dich
hatte Gott einen anderen Plan, und wir sind froh, die Gehilfen gewesen zu
sein, die dazu beigetragen haben, dass Du heute einen warmen, gemütlichen
Sofa-Platz hast, und Dir liebevoll der Bauch gestreichelt wird.liebe Rosa,
wir wünschen Dir aus tiefstem Herzen alles erdenklich Liebe und Gute in
Deinem neuen Zuhause - wir werden Dich nie vergessen, Du wirst immer einen
besonderen Platz in unseren Herzen haben, wenn wir an Dich denken, werden
wir vor uns hin lächeln, aus den verschiedensten Gründen, und die Freunde,
die Du gewonnen hast, werden weiterhin über Dich wachen, wie Schutzengel -
von denen Du einen ganze Menge hattest!

Rosa im Illatos

Rosa in Pflegestelle

Rosa in ihrem Zuhause

 

News 20.04.2012

Rosa hat sich aufgemacht zur Regenbogenbrücke.

Aber ihr wurde noch mal gezeigt, was es heißt geliebt zu werden.

RIP Rosa